Fassen von Emailarbeiten

 
Edmund
 
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Re: Fassen von Emailarbeiten

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Gepostet: 27.12.2007 - 14:46 Uhr  ·  #9
Hallo Peter,

zunächst zu Deinen Fragen:
1) nach meiner Auffassung von einer handwerklich soliden Emailarbeit sollten Emailarbeiten, ganz gleich welcher Art und Technik, immer gegenemailliert werden. Zum Gegenemaillieren sichtbarer Flächen nur „gutes“ Email verwenden, niemals Abfälle!! Wenn es nicht schön glatt ausfließt, musst Du vielleicht die Ofentemperatur bis kurz unter den Schmelzpunkt des Lotes erhöhen, oder auch etwas länger brennen. Bei niedrigen Temperaturen ist das Email sehr viskos und braucht länger um glatt auszufließen.

2) Emailschmuckstücke wölbe ich aus 2 Gründen so gut wie immer. a) die Wölbung verleiht den Schmuckstücken wesentlich mehr Stabilität und b) konvex gewölbte Emailflächen lassen sich wesentlich einfacher schleifen.

3) Bei Werkstücken bis etwa 5 x 5 cm wähle ich eine Feinsilber-Blechstärke von rund 0,7 mm. Durch das beidseitige Emaillieren werden die Stücke mehr als ausreichend stabil.

4) Eine glatte hochglanzpolierte Metalloberfläche mag ich bei der Verwendung transparenter E’s nicht so sehr. Deshalb strukturiere ich die Blechoberfläche fast immer. Dabei wende ich verschiedene Oberflächengestaltungen an wie: Punzieren, Gravieren, bearbeiten mit Kugelhammer oder Hammerfinne, Fräsen, Strukturieren mit Hilfe der Blechwalze und verschiedener Materialien wie Stoff, raues Papier (Aquarellpapier, Küchenkrepp gefalten oder glatt, Pergamentpapier, Wellpappe usw.), Metall- oder Stoffnetzen (Apfelsinennetz)

[mitte]
Strukturieren einer Oberfläche mit der Walze und eingelegtem Apfelsinennetz[/mitte]

usw. usf. Nach dem Strukturien „Glänze“ ich die Oberfläche mit einer feinen Glasfaserbürste oder, in selteneren Fällen mit dem Wollrad und fettfreier Polierpaste. Natürlich müssen manche Strukturen vor dem Auflöten des Rahmens erfolgen!

Ansonsten ich kann mich dem Urteil von Heinrich nur anschließen. Die beiden gezeigten Stücke sind sauber und gut gearbeitet. Solche Werkstücke mit aufgelötetem Rahmen bedürfen natürlich keiner Fassung mehr. Fassen muss man nur Emailplatten die keinen Metallrand haben. Dabei stehen einem die verschiedensten Möglichkeiten offen. Hier ein paar Beispiele:

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Kleine Landschaft, in "Nasstechnik" frei gemalt, ca 4x4cm[/mitte] Hier wurde eine Kupferplatte in den Rahmen eingeklebt. Der Rahmen besteht lediglich aus einem aufgelöteten Silberdraht.

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"Free climbing". Cloisonné, ungeschliffen, ca. 2 x 6.5[/mitte] Hier eine Krappenfassung

[mitte]
Kleine Landschaft, Stegemail, ca 2 x 4,5 cm. [/mitte]Hier wurde ebenfalls eine Kupferplatte gefasst. Allerdings wurde der obere und untere Rand nur in einen „spitzen“ Winkel umgebördelt, die Platte von der Seite eiingeschoben und mit etwas 2-Komponentenkleber fixiert. Die Broschierung wurde ebenfalls geklebt, so dass keine Lötung anfiel!

[mitte]
"Tänzer", Stegemail ungeschliffen, ca 2 x 5 cm[/mitte] Auch hier wurde die Platte in den hohen Rahmen eingeklebt.

Wie vorher schon einmal geschrieben wurden diese Lösungen und noch etliche Andere z. T. in meinen Kursen entwickelt, um Fassungen herzustellen, die auch in der „Küchentischwerkstatt“ ohne viel Werkzeug und ohne viel Metallhandwerkstechniken nachvollziehbar sein sollten, oder die auch in Kursen mit etwas älteren Schülern machbar waren.

Weiterhin viel Erfolg

Edmund
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Re: Fassen von Emailarbeiten

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Gepostet: 27.12.2007 - 18:30 Uhr  ·  #10
Hallo Edmund
Wenn man Frau Simon Rössler liest, ist das Emaillieren von Feinsilber wegen der reduzierten Haftung kritisch, weshalb ich mich nicht erinnern kann, dass sie bei dieser Metallgrundlage davon geschrieben hätte, dass man das Gegenemail weglassen kann. Das entspräche ganz Deiner Aussage.
Mit den von Dir erwähnten Strukturierungen des Emaillierungsgrundes ändert sich das schon ein wenig zu Gunsten einer besseren Haftung.
Aber offensichtlich sind die Goldschmiede hier in meinem Umfeld der Meinung, eine gute Emailarbeit müsse eine Fassung haben, die das Konteremail abdeckt. Das Fassen bei einigen der von Simon Rössler in ihrem Buch abgebildeten Formen dürfte sehr aufwendig sein. Andererseits dünken mich einige Ihrer im Buch abgebildeten Arbeiten recht dick im Metall- genau sehen kann man das nicht - weshalb ich vermutete, dass sie ab z.B. 1 mm Blechdicke, incl. Struktur auf dem Grund, incl. Konvexoberfläche vielleicht doch auf ein Conteremail verzichtet.
Nun, ich finde, das Thema Conteremail ist genug gestresst und abgehandelt, auch hier im Forum. Ich will es nicht wieder neu beleben. Ich sehe mich gefordert, meine Kompetenz im Fassen weiter zu entwickeln und das Thema innovativ anzugehen. ..... und vielleicht experimentiere ich doch noch ein wenig mit dem einseitigen Brennen. Wenn ich glaube, über reproduzierbare Erfolge berichten zu können, stelle ich das Ergebnis hier ins Forum. Das 'vielleicht' ist nicht umsonst hervorgehoben, bietet das Emaillieren doch schon auf 'vertrauten Pfaden' derartig viele Herausforderungen, dass man sich den Weg zum Erfolg nicht noch mit unnötigen Hindernissen bestücken muss.
Dir, Edmund, danke ich jedenfalls ganz herzlich für Deinen wertvollen und stimulierenden Beitrag.
Ich wünsche allen einen guten Rutsch.
Tschüs
art-ist
Edmund
 
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Re: Fassen von Emailarbeiten

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Gepostet: 28.12.2007 - 13:41 Uhr  ·  #11
Hallo Peter,
Mit Angelika S.-R. verbindet mich seit vielen Jahren eine lockere Freundschaft. Emailprobleme aller Art haben wir, auch schon vor Erscheinen ihres wirklich guten Buches diskutiert, und wir tauschen uns heute noch gerne aus. Das Vorweg.
Zitat
Mit den von Dir erwähnten Strukturierungen des Emaillierungsgrundes ändert sich das schon ein wenig zu Gunsten einer besseren Haftung.

Ob die Haftung des E’s auf Metall wirklich von Oxiden, oder doch eher vom Aufrauen des Metalluntergrundes abhängig ist, ist zumindest unter den Emailingenieuren, die sich um die Physik und Chemie des Emails kümmern, umstritten. Ein wenig im Widerspruch steht auch die Aussage, dass Email auf Feinsilber oder Feingold ohne Metallstrukturierung schlechter haftet, zu der Empfehlung, legiertes Silber vor dem Emailauftrag so lange zu glühen und zu beizen, bis eine dünne Feinsilberschicht entsteht. Auch beim Emaillieren von Hochglanz-Feinsilber- oder -feingoldfolien gibt es eigentlich keine Haftprobleme! Ein weiterer Widerspruch ist, dass es heute Emails gibt, die auch auf polierten, oxidfesten Edelstählen zuverlässig haften.
Zitat
Aber offensichtlich sind die Goldschmiede hier in meinem Umfeld der Meinung, eine gute Emailarbeit müsse eine Fassung haben, die das Konteremail abdeckt.

Ob das Gegenenmail unbedingt vollständig abgedeckt sein muss, ist Ansichtssache. M. E. kann das Email ruhig sichtbar sein.

[mitte][/mitte]

Ich stehe jedoch auf dem Standpunkt, dass die emaillierte Kante von Emailplatten unbedingt mit einem Metallrand geschützt sein sollte, wenn der/die Träger/in lange Freude an ihrem Emailschmuck haben sollen. Denn schon ein leichter Stoß gegen den emaillierten Rand lässt das E. abplatzen!
Zitat
Das Fassen bei einigen der von Simon Rössler in ihrem Buch abgebildeten Formen dürfte sehr aufwendig sein.

Sehr unregelmäßig geformte Emailarbeiten lassen sich häufig nur schwer fassen. Aber das ist ja nicht erforderlich, wenn man den Rahmen oder Rand vorher auf das Trägerblech lötet. Ob man den Rahmen aus Band formt [mitte]
Collier „Schleife“
, Rahmen aus 0,8 mm starkem und etwa 2 mm breitem Silberband gebogen und im oberen Bereich rechts + links mit je einem Streifen Blech verlötet. Rahmen auf das Trägerblech gelötet und danach das „Loch“ in der Mitte ausgesägt.[/mitte]
oder aus einem Blech ausschneidet (wie der vorher gezeigte Fisch), ist zweitrangig bzw. Designsache.

Zitat
Andererseits dünken mich einige Ihrer im Buch abgebildeten Arbeiten recht dick im Metall- genau sehen kann man das nicht - weshalb ich vermutete, dass sie ab z.B. 1 mm Blechdicke, incl. Struktur auf dem Grund, incl. Konvexoberfläche vielleicht doch auf ein Conteremail verzichtet.

Ich halte aus Erfahrung Gegenemail für unerlässlich.
Aber es gilt auch hier: „Probieren geht über studieren“. Die eigene Erfahrung ist, auch wenn das Ergebnis negativ ausfällt, durch nichts zu ersetzen.
Weiterhin viel Spaß und Erfolg und ebenfalls einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
Edmund
http://www.emailkunst.de
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