Ohrring in Schotenform

 
Heinrich Butschal
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Re: Ohrring in Schotenform

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Gepostet: 17.09.2014 - 19:56 Uhr  ·  #9
Wenn Du Bilder Deiner Fassungen zeigen würdest könnten die Goldschmiede bestimmt erkennen wo das Problem liegt. Nur nach Kraft zu fragen ist wenig hilfreich.
Edmund
 
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Re: Ohrring in Schotenform

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Gepostet: 19.09.2014 - 13:51 Uhr  ·  #10


Wenn Du eine tiefere bzw. höhere Wölbung möchtest, musst Du folgendes beachten
1) Du benötigst Gummiplatten ohne Gewebe Shore Härte ca. 40. Darüber hinaus verwende ich zusätzlich noch etwas weichere Gummiplatten. Die Dicke der Platten beträgt ca. 4-5 mm. Bezugsquellen: siehe örtliche „gelbe Seiten“.
2) Nach jedem Wölbungsdurchgang das Werkstück weich glühen.
3) Wichtig ist der Aufbau der Schablone. Das obige Bild zeigt den Aufbau für eine tiefere Wölbung. 1) Kunststoffplatte zum unterlegen mit größerer Öffnung als die Schablonenplatte. 2) Schablonenplatte; 3) zu wölbendes Werkstück; 4) kleine Gummiplatte wird unten in die Wölbung gelegt; 5) größere runde Gummischeibe kommt darüber; 5a) Gummiplatte. Diese Platte muss etwa genau so groß oder etwas größer als das Blech sein das gewölbt werden soll. 6) Metallplatte z. B. Bretteisen. Diese Metallplatte bzw. das Bretteisen sollte nicht viel größer als das zu formende Blech sein, sonst geht zu viel Schlagkraft verloren.
4) Nachdem Du die erste Wölbung geschlagen und das WS ausgeglüht hast, kommt für die erste, tiefere Wölbung, die größere, runde Gummischeibe zum Einsatz. Nach erneutem ausglühen kommt die kleine Gummischeibe nach unten in die Wölbung, drüber die Große und dann die Gummiplatte. Ist die Wölbung immer noch nicht ausreichend, kannst Du eine dritte Gummischeibe, etwa so groß wie der Schablonenausschnitt auflegen.
Die rot-grüne „Schote“ in der vorherigen Antwort wurde aus 0,5 mm dickem Kupfer mit 2 Gummieinlagen gewölbt. Sie ist 9,5 cm lang, mittig 1,8 cm breit und ebenfalls mittig 1,0 cm hoch.
Viel Erfolg
Edmund
Edmund
 
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Re: Ohrring in Schotenform

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Gepostet: 19.09.2014 - 14:13 Uhr  ·  #11
[links][/links] Zu Deiner 2 Frage: Steinfassungen mache ich nicht so häufig. Wenn ich auf Kupfer emailliere fasse ich die Platten allerdings in Kastenfassungen. Dafür verwende ich in der Regel 0,2 – 0,3 mm starkes Feinsilberband. Die Höhe des Bandes richtet sich nach der Höhe der zu fassenden Platte. Meist mache ich das Band knapp 1 mm höher als die Platte dick ist. Das vorher ausgeglühte und daher sehr weiche Silberband lässt sich mit einem Polierachat oder Poliereisen, trotz der sehr bruchempfindlichen Emailränder, problemlos fest andrücken.
Da ich kein gelernter Goldschmied bin und mir alles selbst mit Hilfe von Büchern beigebracht habe weiß ich nicht, ob ich mit der Verwendung von Feinsilber als Fassungsband gegen irgendwelche Jahrhunderte alte Goldschmiede-Regeln verstoße. Die Platten jedenfalls halten bombenfest. Noch nie ist, seit über 50 Jahren, eine Platte aus dem Rahmen gefallen.
Edmund
petruschka
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Re: Ohrring in Schotenform

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Gepostet: 19.09.2014 - 14:25 Uhr  ·  #12
Hallo Edmund,
wenn ich mir deinen Aufbau so anschaue, wird mir klar warum mein Ergebnis nicht zufriedenstellend war.
Ist kniffeliger, als ich dachte. Sollte man die Nr 1 in deinem Aufbau immer benutzen, oder ist sie dazu gedacht, um fehlende Tiefe der eigentlichen Schablone zu erhöhen? Zum Auftiefen hatte ich mein "sandwich" in einen großen Schraubstock gespannt, das erschien mir einfacher, als mit einem Fäustel zu hantieren. Hatte Angst der Aufbau würde beim Schlagen verrutschen.
Auf jeden Fall: ganz herzlichen Dank für deine super Erklärung.
lieben Gruss
Petruschka

PS: deine Brosche mit den Bäumen ist "echt toll", Chapeau
Edmund
 
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Re: Ohrring in Schotenform

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Gepostet: 19.09.2014 - 19:02 Uhr  ·  #13
Hallo Petruschka,
Zitat
Ist kniffeliger, als ich dachte. Sollte man die Nr 1 in deinem Aufbau immer benutzen, oder ist sie dazu gedacht, um fehlende Tiefe der eigentlichen Schablone zu erhöhen?

Ist eigentlich nicht kniffelig. M. E. eines der einfachsten Verfahren um schnell unregelmäßige Kalotten oder Teile die alle genau die gleiche Form + Wölbung haben sollen herzustellen.
Die Nr.1 dient nur dazu mehr Tiefe zu geben.
Das Pressformverfahren ist besonders für Emailleure eine sehr gute Methode um z. B. leichtgewichtige Colliers mit vielen gleichen Teilen, oder Colliers aus gegenständigen Kalotten herzustellen, die beidseitig emailliert werden können. Hier 2 Beispiele
Beidseitig tragbares Collier aus gefassten Kalotten.
sehr leichtgewichtige Colliers Teile aus Feinsilber 0,5 mm

Bevor ich durch Zufall auf einem Flohmarkt eine kleine Presse SEHR billig ergattern konnte, habe ich versucht andere Pressmethoden auszuprobieren. U. A. auch das Pressen mit einem Schraubstock. Hier meine Schraubstockversion.
http://www.ganoksin.com/borisa…orming.htm
Es freut mich, dass Dir die Brosche gefällt
ein schönes Wochenende
edmund
petruschka
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Re: Ohrring in Schotenform

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Gepostet: 19.09.2014 - 21:23 Uhr  ·  #14
Hallo Edmund,
wenn du deinen Schmuck herstellst, verwendest du da Kupfer oder eher Silber als Unterlage?
Meine "Erfahrungen" mit Email resultieren aus meiner Jugend, wo ich mit Leidenschaft 1 und 2 Pfennigstücke aus dem Verkehr gezogen habe. Da ich alles horte, was mir je in die Finger kommt, habe ich das ganze Equipement noch und habe mich mal an einfache Emailverzierungen an Silberringen und Kettenteile gewagt. Fand ich nicht leicht und die ersten Versuche sind geschmolzen. Mit Temperaturregler geht das wahrscheinlich einfacher. Es gibt so viele Sachen, die ich gerne ausprobieren möchte.......da fehlt oft die Zeit und die Möglichkeit das Wissen zu vertiefen. So muss ich mit "Qualitätseinbußen" leben. Aber oft gelingt auch was richtig gut und dann ist die Freude groß. Ich bin ja im Schmuckmachen Quereinsteiger und nun seid über 10 auch beruflich mit dabei und "Hähme" ist mir nicht unbekannt. Deshalb:
Danke fürs "Wissen teilen" ist nicht immer selbstverständlich.
Petruschka
Edmund
 
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Re: Ohrring in Schotenform

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Gepostet: 20.09.2014 - 15:08 Uhr  ·  #15
Hallo Petruschka,
Zitat
wenn du deinen Schmuck herstellst, verwendest du da Kupfer oder eher Silber als Unterlage?

Schmuck mache ich überwiegend aus Feinsilber, wobei das Werkstück vor dem Emaillieren fix und fertig, d. h. mit Rahmen und Furnituren (außer Nadeln bei Broschen) versehen ist. Für die Lötungen verwende extra hartes Silber- oder Emaillierlot.
Es gibt allerdings auch Ausnahmen bei denen ich z. B. eine Kupferplatte emailliere und diese dann in Silber fasse. Wenn Du das Emaillieren in Betracht ziehst kannst Du dich mit mir per E-Mail in Verbindung setzen oder schon mal auf meine z. Zt. etwas rudimentäre HP: http://www.emailkunst.de
schauen.
Zitat
Danke fürs "Wissen teilen" ist nicht immer selbstverständlich.

Ich halte nichts vom "Wissen horten". Neben meinem eigentlichen Beruf habe ich mein Arbeitsleben lang Lehrlinge und Berufsanfänger in die Geheimnisse unseres Berufs eingeweiht. Und in der Freizeit habe ich von 10 jährigen Kindern, über Erwachsene Anfänger bis zu Experten/Emailprofis /Goldschmieden im Emaillieren im In- und Ausland unterrichtet, bzw. workshops/Symposien abgehalten. Leider muss ich seit Jahren aus Altergründen viele aufgeben.
Ein schönes Wochenende
Edmund
petruschka
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Re: Ohrring in Schotenform

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Gepostet: 20.09.2014 - 15:42 Uhr  ·  #16
Hallo Edmund,
schön und informativ ist deine Webseite. Hab schon mal gestöbert
bis dann
Petruschka
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