Hallo Holger,
bekanntlich werden Silberlöffel sofort schwarz, wenn man damit ein gekochtes Ei löffelt. Die Schwarzfärbung beruht auf der so genannten Sulfidierung, das Silber geht dabei eine Verbindung mit Schwefel ein. Aber Nina hat recht, der Goldschmied kann Silberschmuck auf mehrere Arten schwarz chlorieren. Ein galvanischer Schwarzrhodium Niederschlag z.B. haftet in den meisten Fällen hervorragend. Nicht zu verwechseln mit dem normalen Rhodium-Bad, wenn man es dort zu lange drin lässt, wird es zwar auch schwarz, aber eben nicht schön.
Daneben gibt es auch noch Pariser Oxyd. Dieses wird auf die zu färbenden Stellen aufgetragen und muss dann längere Zeit einwirken. Pariser Oxyd ist aber recht teuer und auf Ätherbasis (Alkohol), das heißt es verflüchtigt sich schnell. Auch greift es die Stahlfedern in den Federringen an und zerstört die Federwirkung von Brisuren, Schnäppern usw. In den meisten fällen wird aber eine spezielle Beizlösung für die Patinierung verwendet (Färbebad auch als Schwarzoxydbeize bekannt > Noirit / Gosiba) oder Schwefelleber.
Zum Umgang mit Schwefelleber:
Das folgende Verfahren erzeugt eine tiefe schwarze Farbe auf Silber. Kaliumsulfid (Formel K2S, Handelsname Schwefelleber > lat. Hepar sulfuris) bekommt man zum Teil noch in kleinen Mengen in der Drogerie oder Apotheke. Beim Umgang mit Chemikalien sind natürlich die nötigen Vorkehrungen zu beachten!
Geben Sie einen Teelöffel Kaliumsulfid in einen wärmefesten Plastikbehälter. Gießen sie etwa 100 ml kochendes Wasser in das Gefäß. Rühren Sie mit einem Holz- oder Plastikstab alles um bis sich das Salz gelöst hat - bitte bei sehr guter Durchlüftung, der Geruch ist sehr unangenehm und Giftig (H2S > Schwefelwasserstoff, faule Eier-Geruch). Das zu sulfidierende Werkstück wird an einem Kupferdraht befestigt und sofort in die noch heiße Lösung eingetaucht. Lassen Sie das Werkstück solange in der Lösung, bis es tief schwarz gefärbt ist. Ist die Lösung nicht warm genug, dauert es entsprechend länger. Entnehmen Sie dann das Werkstück der Lösung und spülen Sie es gründlich unter fließendem Wasser ab. Blauviolette oder ähnliche Färbung wird nicht so bleiben, das dunkelt mit der Zeit nach.
Bei dieser Methode ist dann allerdings das komplette Silberstück schwarz. Erhabene Stellen können aber nachträglich mit Polierstahl oder einem Lappen poliert werden. Auf diese weise bleiben nur die Vertiefungen schwarz. Man kann aber auch, ehe man es in das Bad steckt partiell mit einem geeigneten Abdeckmittel (Paketklebeband, Asphaltlack) abdecken.
Einfach ist auch folgendes:
In einem Liter Wasser werden 2 Esslöffel Kochsalz aufgelöst und auf 60 Grad erwärmen. Dann das (partiell Abdeckte) Silber oder silberhaltige (z.B. Gelbgold) Schmuckstück einhängen und Gleichstrom draufgeben. Das Werkstück muss dabei positiv sein (Anode), mit 6 Volt haben Sie den vollen Erfolg. Das Silber wird sofort schwarz, bei Gelbgold dauert es etwas länger.
Vorteil: Kostet nix, stinkt nicht, wird rabenschwarz und hält wie Teufel.
Wenn Sie es ab haben wollen, einfach mit einer Messingbürste 0,06 mm Drahtstärke und Seifenwasser kratzen. Schüttelfass zeigt auch Wirkung, Nadelpolierer entfernt die Patinierung ebenfalls.
Siegfried