Hydrozonlötgerät

 
cantony
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Hydrozonlötgerät

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Gepostet: 12.06.2020 - 17:12 Uhr  ·  #1
Hi,
ich habe ein Hydrozonlötgrät Mic-o-mat 120 und bin soweit ganz zufrieden. Nur wenn ich das Gerät einige Tage nicht benutzt habe brauche ich fast 5 Minuten um die Flamme anzubekommen. Wie bei so einem uralten Gasherd. Flamme ganz klein ewig brennen lassen und gaaaanz langsam kommen lassen. Sagt mal, mach ich da was Falsch?
Freue mich auf Tipps aus der Trickkiste,
Gruß, Tine
Heinrich Butschal
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Re: Hydrozonlötgerät

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Gepostet: 12.06.2020 - 19:47 Uhr  ·  #2
HIP26727
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Re: Hydrozonlötgerät

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Gepostet: 13.06.2020 - 06:37 Uhr  ·  #3
Zitat geschrieben von cantony
Hi,
ich habe ein Hydrozonlötgrät Mic-o-mat 120 ...

Kenne dieses spezielle Gerät nicht, würde aber dasselbe vermuten wie Heinrich:

Zitat geschrieben von Heinrich Butschal
Vielleicht ist der Druckbereich nicht ganz dicht und dann muss nach dem Einschalten erst neuer Wasserstoff erzeugt werden?

Ursache: Das erzeugte Gasgemisch (Knallgas und Booster-Dampf) im System ist warm. Beim Abkühlen / Kondensieren der Boosterflüssigkeit entsteht ein Unterdruck, der Umgebungsluft ins System zieht.
Effekt: Nach Wiederinbetriebnahme hast Du da zunächst ein Gemisch aus Knallgas, Boosterdampf und Umgebungsluft, dessen Verbrennungsgeschwindigkeit deutlich kleiner ist als die Ausströmgeschwindigkeit: Die Flamme bläst sich selbst aus. Ist also soweit normal.
(Wobei, meines Wissens, die meisten Hersteller eh empfehlen, bei längeren Betriebspausen die Geräte drucklos zu stellen.)

ABER:
Was mich irritiert, sind die ...

Zitat geschrieben von cantony
... Nur wenn ich das Gerät einige Tage nicht benutzt habe brauche ich fast 5 Minuten um die Flamme anzubekommen. Wie bei so einem uralten Gasherd. Flamme ganz klein ewig brennen lassen und gaaaanz langsam kommen lassen. ...

... 5 Minuten. Das erscheint mir sehr, sehr hoch. Alle mir bekannten Geräte haben konstruktiv ein ganz geringes Gasvolumen im System, schon aus Sicherheitsgründen. Die sind, selbst bei erster Inbetriebnahme, wenn wirklich das gesamte System voller Luft ist, nach spätestens 2 Minuten (geschätzt, eher deutlich schneller) voll auf Druck.
Wenn die '120' in der Typenbezeichnung die Gaserzeugung in Litern/Stunde kennzeichnen soll (zumindest sollte die Größenordnung hinhauen), wären das in 5 Minuten immerhin 10 Liter. Das sollte reichen, den kompletten Gasweg vom Reaktor -> Booster -> Schläuche -> Brenner x-mal leerzupusten. (Wenn Du nicht gerade 100 m Schlauch angeschlossen hast.)

Zwei prinzipielle Fehlermöglichkeiten:

a) Es wird zu wenig Gas erzeugt.
b) Es geht zuviel Gas verloren.

Fragen:
Allgemein.
War dieses Verhalten von Anfang an so, oder erst neuerdings? Abrupt oder peu à peu?
Falls ersteres: Vielleicht doch konstruktionsbedingtes Problem. (Glaube ich nicht.)
Falls letzteres: Möglicherweise BtriebS(stunden)-bedingte Verengung / Verstopfung im Gasweg. (Wie alt ist das Teil?)

Möglichkeiten:
- Damit Leben und hoffen, dass es nicht schlimmer wird.
- Generalüberholung oder neu kaufen.

Zu a)
- Wann ist zuletzt der Elektrolyt nicht nur aufgefüllt, sondern komplett erneuert worden? Vor wieviel ca. Betriebsstunden?
- Ist Elektrolyt beim Auffüllen ggf. ab und an übergelaufen?
- Ist ggf. mal mit Leitungswasser oder schlimmerem statt Aquadest aufgefüllt worden?
Möglicherweise auch Fehler in der Leistungselektronik. (z.B. ein Zweig des Gleichrichters defekt.)

Kontrolle: Bei allen vorstehenden Punkten wird die Aufnahmeleistung bei aktiver Elektrolyse deutlich unter dem Nennwert (Datenblatt / Typenschild) liegen. Dann detaillierte Fehlersuche erforderlich (hoffentlich nicht).
Messmöglichkeit: Halbwegs exaktes Steckdosen-Verbrauchsmessgerät. Befreundeter Fachmann mit entsprechendem Messequipment.

Zu b)
- Wie lange dauert es, bis nach dem Einschalten der Nenn- / Solldruck erreicht / der Elektrolysevorgang abgeschaltet wird? (Separate Anzeige? Ansonsten Betriebsgeräusch.)
- Schaltet sich der Elektrolysevorgang vor Erreichen des Nenn- / Solldruckes aus und später wieder ein? Ggf. mehrmals? (Könnte auf Verstopfungen hinweisen)
- Wird der erreichte Druck bei geschlossenem Brennerventil auch über zumindest mehrere Minuten gehalten oder sinkt er schnell ab und die Elektrolyse schaltet sich wieder ein? Falls ja: Wie schnell?
- Und / oder sinkt der Druck bei geschlossenem Brennerventil nach Ausschalten des Hauptschalters recht schnell auf Null ab?

Undichtigkeit lokalisieren (Lecksuchspray) und beheben.
Neuralgische Stellen:
- Brennerventil,
- Verschluss Reaktorgefäß,
- Verschluss Boostergefäß,
- Schläuche / Schlauchanschlüsse.

Viel Erfolg.
cantony
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Re: Hydrozonlötgerät

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Gepostet: 15.06.2020 - 07:58 Uhr  ·  #4
Wow, das ist mal eine ausführliche Antwort, vielen Dank!

Der Druckbereich ist nicht 100% dicht, der Wasserstoff muss nach ein bis zwei Tagen neu erzeugt werden , aber das geht Ratz Fatz, stellt also nicht das Problem dar.
Dann lass ich jetzt wenn ich das Gerät nicht mehr brauche das übrige Gas raus, dann zieht es die Luft nicht rein. Könnte das die Lösung sein?

Sonst ist das Gerät TipTop, über Laufstunden usw. kann ich nicht viel sagen , da ich es gebraucht gekauft habe. Ich selber benutze es sehr selten, weil ich die größeren Sachen mit dem Propan mache und auch nur wenig arbeite (also in der Werkstatt )

Melde mich mit Erfahrungsbericht,
vielen Dank für die Hilfe
HIP26727
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Re: Hydrozonlötgerät

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Gepostet: 15.06.2020 - 12:01 Uhr  ·  #5
Zitat geschrieben von cantony
Wow, das ist mal eine ausführliche Antwort, ...

Manche würden sagen: Eine geschwätzige. Kommt von den 1.000 Jahren als Ferndiagnostiker / technische Telefonseelsorge.

Zitat geschrieben von cantony
Der Druckbereich ist nicht 100% dicht, [...] , aber das geht Ratz Fatz, ...

Falls noch Problemlösung erforderlich / gefragt, wären etwas exaktere Angaben als 'nicht 100%' und 'Ratz Fatz' schon hilfreich.
Und: Wie wär's denn mal mit neuen Dichtungen für die Verschlüsse von Elektrolyse- und Booster-Gefäß? GGf. geräteinterne Schläuche?


Zitat geschrieben von cantony
... stellt also nicht das Problem dar.

Sicher?

Zitat geschrieben von cantony
Dann lass ich jetzt wenn ich das Gerät nicht mehr brauche das übrige Gas raus, dann zieht es die Luft nicht rein. Könnte das die Lösung sein?

Das wird am akuten Zustand nicht allzuviel ändern: Du kannst ja nür den Überdruck rauslassen. Das restliche Gasvolumen ist immer noch warm und mit kondensierendem Boosterdampf gesättigt. Wenn ausreichend Gas erzeugt und nicht zu viel verloren geht, ist das aber auch völlig schnuppe: Dann wird nämlich die Luft so "Ratz Fatz" wie das Gas erzeugt wird, aus dem System herausgedrückt.
Aber möglicherweise kannst Du dadurch verhindern, dass sich der Zustand verschlimmert.

Zitat geschrieben von cantony
Sonst ist das Gerät TipTop, ...

Na ja, für einen Knallgas-Generator (der Name ist Programm!), dessen Druckbereich nicht 100% dicht ist, fiele mir ein anderes Attribut ein als "TipTop".
Auch wenn die erzeugte Gasmenge relativ gering ist und sich das explosionsfähige Gemisch 2H2 + O2 wegen des extrem leichten Wasserstoffs recht schnell entmischt, wäre mir nicht ganz wohl dabei.

Zitat geschrieben von cantony
... über Laufstunden usw. kann ich nicht viel sagen , da ich es gebraucht gekauft habe.

Hoffentlich war wenigstens ein Betriebshandbuch / -Anleitung dabei? Hat das Teil ein Baujahr, oder eher prähistorisch? Wie ist die exakte Typenbezeichnung? Nennleistung elektrisch / Gasproduktion?
Hast Du es komplett, betriebsbereit gefüllt (mit Elektrolyt / Boosterflüssigkeit) gekauft ...

-> Füllstand und Konzentration (Dichte) des Elektrolyten überprüft?

... oder selbst aufgefüllt?

->Womit? Originalelektrolyt des Herstellers?

(Die Leistung der Elektrolysezelle ist (neben Geometrie und Zustand der Elektroden in erster Näherung von 3 Parametern abhängig:
- Anliegende Spannung,
- Füllstand des Elektrolyten,
- Konzentration des Elektrolyten.
Das sollte alles stimmen.)

Zitat geschrieben von cantony
Ich selber benutze es sehr selten, weil ich die größeren Sachen mit dem Propan mache und auch nur wenig arbeite (also in der Werkstatt )

Und: Wieviele Betriebsstunden hat das Teil denn bei Dir schon hinter sich?
(eher 2 ... 3 oder eher 200 ... 300 ?)

Zitat geschrieben von cantony
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Tu das, ggf, sehen wir weiter.
Tilo
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Re: Hydrozonlötgerät

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Gepostet: 15.06.2020 - 13:04 Uhr  ·  #6
Zitat geschrieben von HIP26727
fiele mir ein anderes Attribut ein als "TipTop"

"bombig" z.B.?
HIP26727
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Re: Hydrozonlötgerät

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Gepostet: 15.06.2020 - 16:18 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von Tilo
Zitat geschrieben von HIP26727
fiele mir ein anderes Attribut ein als "TipTop"

"bombig" z.B.?



Zum Beispiel.
Nun sind die angenommenen 120 l/h, davon 80 l H2 nicht wirklich viel, und im Freien oder gut durchlüfteten Räumen hätte ich wenig Bedenken, wenn nicht ein zumindest merklicher Anteil des erzeugten Gases durch ein Leck flöten ginge.
Aber genau dieser Fall könnte das Fehlerbild des von 'cantony' beschriebenen Problems zeigen: Bei 'nem entsprechenden Leck verdrängt das erzeugte Knallgas zum Teil sich selber aus dem System, statt auf dem regulären Gasweg die im System vorhandene Luft rauszudrücken. Entsprechend länger (fast 5 Minuten lt. 'cantony') dauert es, bis am Brenner ein stabil brennendes Gasgemisch ankommt.
(Ich habe ja nicht aus purer Neugier schon zu Anfang nach halbwegs exakten Daten unter bestimmten Bedingungen gefragt. Das intime Verhalten von Gasgeneratoren fremder Leute auszuspionieren liegt mir fern! )

Zwar erfolgt die Entmischung des austretenden stöchiometrischen 2H2 + O2 -Gemisches tatsächlich rasch, aber Wasserstoff ist ja nicht nur in dieser Mischung "knallig", sondern auch in einem weiten Mischungsbereich mit ganz profaner Luft explosiv. Bei mangelndem Raumluftaustausch sammelt sich das Zeug dann ggf. unter der Decke und wartet geduldig auf ein Fünkchen.
(Und wenn vom Löten bei der Zersetzung der Fluoride aus den 'harmlosen, nicht toxischen, frei verkäuflichen Flussmitteln' vielleicht noch etwas freies Fluor dazu kommt, braucht's das Fünkchen evtl. gar nicht, um den versammelten Wasserstoff nicht nur wieder 'ratz-fatz' und mit'm Bums in das gerade erst mühsam zersetzte Wasser sondern auch das eine oder andere Tröpfchen Fluss-Säure (HF) verbrennen zu lassen. Alles für die Katz.)
cantony
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Re: Hydrozonlötgerät

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Gepostet: 18.06.2020 - 20:18 Uhr  ·  #8
Also ich hab jetzt mal auf die Uhr gesehen. Heute waren es exakt 2 Minuten bis ich die Flamme an hatte. Meint ihr wirklich, dass es gefährlich ist das Gerät so zu betreiben? Mit euren technischen und chemischen Erklärungen kann ich leider gar nicht so viel anfangen. Wo könnte ich das Gerät denn zur Wartung hinbringen? Wohne Nähe Stuttgart.
Der MIG-O-MAT Lötstar 120 hat Lieferdatum ab Werk Januar 2000. Ich hab ihn jetzt seit vielleicht 8 Jahren mit geschätzten 100 Betriebsstunden. Ich nutz ihn wie gesagt wirklich selten.

Viele Grüße,
Tine
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