Silber schmelzen, aber wie....

 
cathy
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Silber schmelzen, aber wie....

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Gepostet: 13.10.2006 - 11:20 Uhr  ·  #1
Hallo ihr Lieben,

ich bin Hobbygoldschmiedin. Ich habe einiges an Silberstücken, die ich schmelzen möchte um daraus etwas eigenes zu gestalten.
Ich habe einen Brenner mit Turbodüse (Propangas), hessische Tonschale mit Deckel und Borax in Pulverform.
Ich möchte immer nur kleinere Mengen schmelzen.

Ein Freund hat mir nun ein altes Silberarmband von sich gegeben, mit der Bitte ihm daraus einen Ring herzustellen.

Meine Idee dazu ist, das Armband erst zu reinigen, dann zu schmelzen und in eine vorher zurecht gefeilte Sepiaschale zu gießen.
Der Sepia-kurs ist sehr anschaulich, aber nun wüßte ich gern genauer, wie ich das mit dem Schmelzen machen muß.
Das es gewisse Risiken gibt ist mir absolut bewußt, an Schutzkleidung und Brille habe ich gedacht

Ich hoffe auf eine ausführliche Anweisung, Tips und Ratschläge...

Liebe Grüsse
Cathy
goOse
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Re: Silber schmelzen, aber wie....

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Gepostet: 19.10.2006 - 16:12 Uhr  ·  #2
Hallo cathy,

gut, die Ausrüstung hast du, die feuerfeste Unterwäsche ist übergezogen - Feuerfrei

Also eigentlich verwendet man einen richtigen Tiegel aus Keramik. Dieser ist schön Feuerfest und auch seine zusammensetzung ist so gewählt, dass beim Schmelzvorgang keine metallschädigenden Stoffe austreten. (zB Schwefel) Zudem sollte der Tiegel einen Deckel haben, damit möglichst wenig Sauerstoff an die Schmelze kommt. Silber hat die negative eigenschaft beim Schmelzen, bis zum 20-Fachen seines Volumens an Sauerstoff in seine Gitterstruktur auf zu nehmen. Dies muss jedoch beim abkühlen wieder raus und somit kommt es oft zu Poren (Blasen im Metall) oder zum allseits beliebten "Spratzen". Dabei kommt es vor, dass wenn Du das füssige Metall in eine Form gießt (Kokille), das Silber wieder heraus spritzt. Also Deckel benutzen... Ich habe bis heute noch eine kleine runde Nabe am Arm, wo mir sowas mit Nickelweißgold passiert ist. Der Tropfen ist raus geschossen und flüssig in meine Elle geflogen. Da ich nun kaum den glühenden Tiegel mit dem Restmaterial fallen lassen konnte, musste ich zusehen, wie sich die Kugel in meinem Arm einbrande. Da wird einem nicht heiss, sondern der Arm wird eiskalt Später musste ich die Kugel mit einem Korneisen aus Loch holen - mein Lehrher wollte schließlich sein Gold zurück^^ Also immer lange Ärmel tragen


Aber zum eigentlich Akt:
Du kippst das Silber in den Tiegel und zündest den Brenner an. Hälst die Flamme so, dass der hellblaue Übergang in der Flamme auf das Schmelzgut strahlt und wartest dann, bis das ganze Flüssig ist. Das kann unter umständen einige Min. dauern. Wenn es flüssig ist, darauf achten, das die Oberfläche spiegelblank ist und sich keine rote Schlack auf dem Schmelzgut befindet. Im flüssigen Zustand überprüfen, ob auch alles in dem Tropfen geschmolzen ist. Das kann man am einfachsten mit "leichten " hin und her Schwenken überprüfen. Bleibt die Oberfläche beim schwänken immer schön glatt und nichts sticht von innen nach außen in der Schmelze, wird es gut sein. Dann setzt du einfach den Tiefel auf die Sepiaschale und kippst das Zeug in die Rille. Letztes sollte aber recht zügig gehen, da sie Sepia sofort anfängt zu verbrennen

Viel Erfolg
goOse
cathy
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Re: Silber schmelzen, aber wie....

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Gepostet: 04.12.2006 - 23:29 Uhr  ·  #3
Hallo goOse,

dein Erlebnis mit deiner Narbe, läßt mir die Haare zu Berge stehen und mir läuft es eiskalt den Rücken runter!!! Und dann noch selber diese blöde Weißgoldkugel aus der Wunde operieren
Na gut das ich ne Frau bin! Ich hätte bestimmt Rotz und Wasser geheult oder wäre notfalls in Ohnmacht gefallen, zumindest wenn ein männliches Wesen zur Hilfe in der Nähe gewesen wäre
Wenn niemand da ist muß man ja zwangsläufig seinen Mann stehen, da darf man erst umfallen, wenn alles erledigt ist.

Versprochen, ich werde mich von Kopf bis Fuß in Leder einkleiden und alles zukleben wo eventuell was reinfallen könnte!!!

Meine Versuche sind bis jetzt noch kläglich gescheitert, meine Flamme ist wohl nicht heiß genug, ich bemühe mich gerade um eine Alternative. Ich habe ein kleines Schweißgerät, das ich funktionstüchtig machen muß. Damit, so hoffe ich, werde ich genügend Hitze erzeugen können.
Wenn ich Erfolg gehabt habe, werde ich Bericht erstatten

Liebe Grüsse
Cathy
zaphi67
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Auch schmelzen will

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Gepostet: 13.12.2006 - 00:15 Uhr  ·  #4
Also ich steh auch grad vor dem Problem "wie schmelze ich am besten, einfachsten und vor Allem am billigsten". Irgendwie verwirrt mich aber alles was ich so höre und lese gewaltig. Hier ist nun wieder die Rede von einem Keramiktigel. Bis jetzt wurde mir immer zu Gaphit geraten. Und was hat es mit dem Deckel auf sich? Wenn da ein Deckel drauf ist, wie kann ich dann die Flamme auf das Schmelgut richten?
Ich hab auch von diesem ominösen Barox gehört. Das macht wohl Sauerstoff und erhöht so die Temperatur. Aber Sauerstoff wollen wir ja nicht, weil da gibts ja Bläschen im Guß. Hat jemand Erfahrung mit Barox? Ich würde gern später auch mit Gold arbeiten. Aber da werde ich wohl um ein Sauerstoff-Gas Brenner nicht drum herum kommen. Oder? Sauerstoff ist sau Teuer. Jetzt hat mir jemand berichtet das er so einen Kombibrenner benutzt. Am Gasschlauch ist Gas und am Sauerstoffschlauch ein Kompressor. Hat jemand Erfahrung mit sochen experimentellen Schmelztechniken. Ich ha auch mal nen Video gesehen da hat einer son komischen Ofen gebaut. Nur war das nicht so gut dokumentiert. Der hat damit sogar unmengen Gold vo Elektroschrott geschieden. Datt waren wie so Schamottsteine, da war ein Graphittigel drin (offen). Und drunter ein Feuer das mit nem Föhn angepustet wurde. Weiß aber nicht was der da verbrannt hat. Steinkohle vieleicht?
Na egal. Scheiden will ich ja eh nicht. Bin ja schon geschieden
Tilo
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Re: Silber schmelzen, aber wie....

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Gepostet: 13.12.2006 - 21:00 Uhr  ·  #5
ich bin profi und schmelze mit propan ohne extra sauerstoff
die art brenner ist auch bei klempnern gebräuchlich gewesen, bis die ihre leitungen zu quetaschen anfingen
zaphi67
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Re: Silber schmelzen, aber wie....

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Gepostet: 14.12.2006 - 06:33 Uhr  ·  #6
Zitat geschrieben von Tilo
ich bin profi und schmelze mit propan ohne extra sauerstoff
die art brenner ist auch bei klempnern gebräuchlich gewesen, bis die ihre leitungen zu quetaschen anfingen


Na dann wär ich dankbar wenn du mir sagen würdest was das für ein Brenner ist. Ich habe einen Handturbobrenner von CFH. Der eicht nicht mal aus um Silber klein zu kriegen. An Gold garnicht zu denken. Was verwendest du sonst noch zum Schmelzen? Welche Art Tigel? Ich wär wirklich dankbar über jeden Tip.
Tilo
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Re: Silber schmelzen, aber wie....

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Gepostet: 14.12.2006 - 13:14 Uhr  ·  #7
ich melde mich nach weihnachten wieder, hab echt keine zeit
cathy
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Re: Silber schmelzen, aber wie....

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Gepostet: 27.12.2006 - 15:49 Uhr  ·  #8
Hallo zaphi67,

es heißt nicht Barox sondern Borax! Das ist eine Chemikalie, ein weißes Pulver mit dem die Goldschmiede seit ewigen Zeiten arbeiten, deshalb nannte man sie auch Boraxbrüder
Dieses Borax hilft Oxydation zu vermindern, man nimmt es auch zum Löten als Flußmittel, damit die Lötstelle frei von Oxydation bleibt, beim Löten ist das Borax flüssig und heißt unter anderen Boraxin.

Der Deckel der Schmelzschalen zum Beispiel aus hessischen Ton, ist nur ein halber Deckel! Du kannst also schon die Flamme direkt auf das Schmelzgut halten. Der Deckel soll bewirken, das die Hitze zentriert bleibt und nicht unnütz verschwindet. Du also ein besseres Schmelzergebnis bekommst.
Ich selber habe hessische Tonschalen mit "halbem" Deckel, Borax-Pulver nimmt man zum glasieren der Tonschalen, man erhitzt die Schale vorsichtig bis sie dunkelrot ist und gibt das Borax-Pulver hinein, es schmilzt und ergibt eine glasige Fläche, danach gibt man sein Schmelzgut in die Schale - Deckel drauf - dafür gibt es eine Schmelzschalenhalterung!
Diese hält den Deckel auf der Schale und sie hat einen Holzgriff damit die Finger nicht auch verglühen!!!
Wichtig beim Schmelzen sind Vorsichtsmaßnahmen, wie die richtige Kleidung!!! Lederhandschuhe, Schutzbrille und auch festes Schuhwerk, eine feuerfeste Schürze nicht zu vergessen!!!
Ich habe mir das anfangs mit dem Schmelzen auch simpler vorgestellt, aber Sicherheit muß vorgehen, denn wenn Du flüssiges Material abbekommst, kann das in einer Katastrophe enden! Damit ist wirklich nicht zu spaßen
Stell dir nur mal vor, man würde vor lauter Schmerz den Brenner weg schmeißen - oder sonst was aus Schock anstellen!!!!!!!!!!!!!!!!
Es kommt so meine ich, auch darauf an, welche Menge an Edelmetall man schmelzen möchte. Sollen es wirklich nur kleine Mengen für den eigenen Bedarf sein, denke ich das hessische Tonschalen reichen. Sie sind nicht teuer! Borax-Pulver auch nicht, der Schmelzschalenhalter kostet ca. 19 Euro plus Porto und Verpackung z.B. bei "Zujeddeloh" oder "Fischer". Wenn Du keinen Gewerbeschein hast, so habe ich festgestellt, darf man nicht bei jedem Goldschmiedezubehörgeschäft bestellen, warum das so ist - keine Ahnung!
Wenn man sich aus Schamottsteinen eine Schmelzecke zusammenbaut und da hinein seine Schmelzschale stellt, wird noch mehr Wärme gehalten, dann müßte es eigentlich auch mit deinem CFH-Turbo-Brenner funktionieren, so einen habe ich auch.
Ich probiere jetzt aber mit einem Minischweißgerät von Einhell. Das wird mit Mischgas aus Dosen betrieben und Sauerstoff-Einwegflaschen. Dieses Gerät wird auch bei Ebay angeboten, meist gebraucht mit leeren Flaschen. Der Kurs belief sich vor Weihnachten auf ca. 50 - 60 Euro, es gibt´s aber auch im Baumarkt zu kaufen - da weiß ich die Preise aber nicht.
Das stimmt schon, Sauerstoff ist ziemlich teuer, aber auch da kann man mit etwas Glück manchmal ein Schnäppchen machen.
Hoffe ich konnte die ein bisschen helfen.

Liebe Grüsse Cathy

P.S.: Bei gebrauchten Geräten immer die Dichtheit der Schläuche und Dichtungen der Verschraubungen überprüfen!
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