Liebe Birgit,
nachdem in all den Beiträgen so viele nützliche Hinweise mit ebenso vielen Irrtümern vermischt worden sind, möchte ich noch etwas dazu sagen.
Niello (Tula ist nur eine andere Bezeichnung dafür) ist eine schwierige Technik, man muss allerhand Ausschuss produzieren, bis man die nötigen Erfahrungen gesammelt hat. Ich habe die Anleitungen des Theophilus nachvollzogen und dabei die Niellomasse selbst hergestellt und erfolgreich auf Silber aufgeschmolzen. Sie finden deshalb in diesem Buch nützliche Hinweise (Theophilus Presbyter und das mittelalterliche Kunsthandwerk), ebenso ist es mit meiner Bearbeitung des Cellini (Benvenuto Cellini: Traktate über die Goldschmiedekunst und die Bildhauerei), und in Theorie und Praxis des Goldschmieds habe ich Niello in einem speziellen Kapitel behandelt.
Voraussetzung ist die Bearbeitung des Silberblechs, denn es müssen Gruben durch gravieren, herausmeißeln, ätzen ausgehoben werden; man kann das Motiv aber auch aussägen und verböden.
Niello besteht aus Ag, Cu, Pb, S. Beim Zusammenschmelzen entstehen Legierungen und intermetallische Verbindungen, Pb senkt den Schmelzbereich auf etwa 400 - 500 °C, Ag und Cu bilden schwarze Sulfide. Die Masse ist spröde wie Glas und so entsteht das Pulver, wie Sie es gekauft haben. Es wird mit Wasser zu einem Brei angerührt, und als Flussmittel mischt man Salmiakpulver zu. Salmiak ist Ammoniumchlorid NH4Cl, ein harmloses Salz.
Der stechend riechende Salmiakgeist, Ammoniumhydroxid NH4OH, ist eine Base, die nicht in unseren Zusammenhang gehört. Borax oder Fluoron kommen als Flußmittel nicht in Frage, denn deren Schmelzbereiche liegen deutlich über dem des Niello!
Mit weicher Flammme wird das Blech von unten ganz langsam erwärmt, damit das Niello allmählich versintert und dann schmilzt. Da der Niellobrei ein grösseres Volumen hat als die Nielloschmelze muss meist noch etwas Niellobrei nachgetragen und wiederum geschmolzen werden. Zum Schluss wird die Fläche vorsichtig abgefeilt, bis die schwarze Zeichnung auf dem Silbergrund vollständig sichtbar wird. Schmirgeln, Schleifen, Polieren - und fertig ist ein reizvolles Schmuckstück.
Ärgerlich sind die dabei frei werdenden Poren. Das Stück ganz leicht anwärmen und das erweichende Niello vorsichtig mit feinem Polierstahl zusammenschieben, eventuell etwas Niello nachfüllen und nochmals brennen.
Liebe Birgit, ich hoffe, Ihnen etwas geholfen zu haben.
Beste Grüsse Erhard Brepohl
nachdem in all den Beiträgen so viele nützliche Hinweise mit ebenso vielen Irrtümern vermischt worden sind, möchte ich noch etwas dazu sagen.
Niello (Tula ist nur eine andere Bezeichnung dafür) ist eine schwierige Technik, man muss allerhand Ausschuss produzieren, bis man die nötigen Erfahrungen gesammelt hat. Ich habe die Anleitungen des Theophilus nachvollzogen und dabei die Niellomasse selbst hergestellt und erfolgreich auf Silber aufgeschmolzen. Sie finden deshalb in diesem Buch nützliche Hinweise (Theophilus Presbyter und das mittelalterliche Kunsthandwerk), ebenso ist es mit meiner Bearbeitung des Cellini (Benvenuto Cellini: Traktate über die Goldschmiedekunst und die Bildhauerei), und in Theorie und Praxis des Goldschmieds habe ich Niello in einem speziellen Kapitel behandelt.
Voraussetzung ist die Bearbeitung des Silberblechs, denn es müssen Gruben durch gravieren, herausmeißeln, ätzen ausgehoben werden; man kann das Motiv aber auch aussägen und verböden.
Niello besteht aus Ag, Cu, Pb, S. Beim Zusammenschmelzen entstehen Legierungen und intermetallische Verbindungen, Pb senkt den Schmelzbereich auf etwa 400 - 500 °C, Ag und Cu bilden schwarze Sulfide. Die Masse ist spröde wie Glas und so entsteht das Pulver, wie Sie es gekauft haben. Es wird mit Wasser zu einem Brei angerührt, und als Flussmittel mischt man Salmiakpulver zu. Salmiak ist Ammoniumchlorid NH4Cl, ein harmloses Salz.
Der stechend riechende Salmiakgeist, Ammoniumhydroxid NH4OH, ist eine Base, die nicht in unseren Zusammenhang gehört. Borax oder Fluoron kommen als Flußmittel nicht in Frage, denn deren Schmelzbereiche liegen deutlich über dem des Niello!
Mit weicher Flammme wird das Blech von unten ganz langsam erwärmt, damit das Niello allmählich versintert und dann schmilzt. Da der Niellobrei ein grösseres Volumen hat als die Nielloschmelze muss meist noch etwas Niellobrei nachgetragen und wiederum geschmolzen werden. Zum Schluss wird die Fläche vorsichtig abgefeilt, bis die schwarze Zeichnung auf dem Silbergrund vollständig sichtbar wird. Schmirgeln, Schleifen, Polieren - und fertig ist ein reizvolles Schmuckstück.
Ärgerlich sind die dabei frei werdenden Poren. Das Stück ganz leicht anwärmen und das erweichende Niello vorsichtig mit feinem Polierstahl zusammenschieben, eventuell etwas Niello nachfüllen und nochmals brennen.
Liebe Birgit, ich hoffe, Ihnen etwas geholfen zu haben.
Beste Grüsse Erhard Brepohl