Niellieren

 
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Niellieren

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Gepostet: 17.06.2008 - 16:19 Uhr  ·  #1
Hallo!

Wer kann mir eine ausführliche Anleitung zum niellieren geben?
Ich habe bei Fischer ein kleines Tütchen gebrauchsfertiges Tula gekauft, weiß jetzt allerdings leider nicht wie ich es verwenden soll. 1 Teil Salmiakpulver in 2 Teile Wasser.
Wie giftig ist Salmiak? Ich habe gelesen es wird sogar bei Säureflecken auf Kleidung verwendet.
Muß ich alles miteinander verrühren oder wird das Salmiak-Wasser-Gemisch einfach auf das Silber aufgetragen?
Lässt sich das Niello mit der offenen Flamme schmelzen?
Bei welcher Temperatur schmilzt es im Ofen?
Soviele Fragen!

Um Antworten wäre ich sehr dankbar!

Liebe Grüße Birgit
Nina
 
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Re: Niellieren

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Gepostet: 18.06.2008 - 10:48 Uhr  ·  #2
ich habe damit noch nicht gearbeitet, aber chemisch gesehen wird beim aufschmelzen wohl der Schwefel wieder frei...
eine Bekannte von mir ist Schmuckdesignerin, die macht das ganze nur bei offenem Fenster und mit Gasmaske(keine Staubmaske!!!) Ob das übertrieben ist weiß ich nicht, jedenfalls ist Vorsicht angeraten.
goOse
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Re: Niellieren

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Gepostet: 18.06.2008 - 17:32 Uhr  ·  #3
Zitat geschrieben von Nina
die macht das ganze nur bei offenem Fenster und mit Gasmaske(keine Staubmaske!!!) Ob das übertrieben ist weiß ich nicht, jedenfalls ist Vorsicht angeraten.


ha! Ammoniak (Salmiak) und Schwefelleber rieche ich seid jahren schon nicht mehr
Ich sage meinem Lehrling immer, das Salmiak wie Fisherman's Frend für die Nase ist
Aber mal ernsthaft: Ammoniak (Salmiak) stinkt wie die Hölle, vor allem wen man es nicht gewöhnt ist. Es brennt in Augen und allen Atemwegen. Es reizt also alle Schleimhäute sehr stark. Zudem weis jeder, der schonmal ein wenig davon in offende Wunden bekommen hat, das Jod was für kleine Kinder ist, denn das merkt man im vergleich überhaupt garnicht.
Ammoniak (Salmiak) ist also nicht in dem Sinne gefährlich (außer man bekommt es in die Augen), sondern nur äußerst, äußerst unangenehm!

Also zu Deinen Fragen, ich habe Niellieren das setze mal in der Lehre gemacht und dann nie wieder... aber wenn ich noch einen guten Wein zuhause finde, schaue ich mal, ob ich ne kleine Anleitung zusammen bekomme. Aber ich will nichts versprechen.

Wofür willst du das denn machen? Vielleicht gibt es einfachere Weg zum Ziel.?!

lg
goOse
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Re: Niellieren

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Gepostet: 18.06.2008 - 21:07 Uhr  ·  #4
Ich habe wohl keinen Wein gefunden, aber Bier macht es auch

Also meines Wisses gibt es bei Nello verschiedene Mischungsverhältnisse. Welche Vor.- oder Nachteile welches der einzelnen Mischnungsverhältnisse hat, kann ich Dir leider nicht sagen. An diesen Punkt bis ich etwas Faul und würde es einfach nur Bestellen

Allgemein besteht Nello aus Silber, Kupfer, Blei und Schwefel. Da das Pulver beim einschmelzen von der Lötflamme weggelasen würde, wird (verbesser mich bitte einer falls ich mich irre - ist halt ein paar Jahre her) das Pulver mit etwas Flussmittel D (Borax) zu einem Brei angerührt.

Aber da dieser Brei auf Iregndwas aufgetragen werden muss, kommen wir mal eben auf das Werkstück zu sprechen.
Dieses muss natürlich vorbereitet werden. Nello hat den Zweck, das es Vertiefungen auffüllen soll. Sprich Du musst Dein Werkstück auch mit solchen versehen. Hier könnte man zB Muster fräsen, oder Muster aussägen. Nach dem Auffüllen, muss das überschüssige Nello abgetragen werden. Da man auf jeden fall etwas der Oberfläche des eigentlich Werkstückes dabei unabsichtlich abträgt, müssen die Fräsermuster auch dementsprechend tief sein um dies zu kompensieren. Bei Sägemuster, solltest Du bedenken, wenn Du Muster aussägst, sollte Dein Sägemuster eine Bodenplatte bekommen, sonst fließst das Nello einfach durch. (Sandwich aus der Platte mit Muster und der durchgängigen Grundplatte, welche beide miteinander verlötet sind)

So, gehen wir einfach mal davon aus, das wir irgendwas von beiden gemacht haben (egal ob gefräst oder gesägt).
Nun nehmen wir unser Werkstück und tragen Sorge dafür, das es schön sauber und Oxitfrei ist. Nehmen unser Nellobrei und füllen ihn in unser Muster ein. Hierbei nicht zu sparsam sein. Die Nellomasse darf ruhig dick drauf. Dann nehemen wir eine geeignete Lötunterlage und bauen uns einen schönen Turm und legen das Werkstück oben drauf. Der Trum sollte so aufgebaut sein, das wir mit der Flamme die Unterseite des Stückes ungehindert mit der Flamme erreichen. Alternative kann man statt des Turmes auch ein Lötgittern nehmen. Aber auch hier gilt, das man gut an die Unterseite heran kommt. Ist alles Vorbereitet, nehmen wir uns einen Metallstab zur Hand (Vorsicht, der wird mit der Zeit warm) und zünden die Flamme unseres Brenners an. Vorsichtig und sehr langsam machen wir das Werkstück mit der Flamme warm. Bei ca. 500c° begint das Nello zu schmelzen. Hierbei entstehen Gase auch will das Borax aus dem Schmelze raus (kleine Kugeln aus Flussmittel) daher "rühren" wird das Flüssige Nellomasse vorsichtig mit dem Metallstab um.

Bitte beachte, das das Flüssige Nello nicht zu heiss werden darf, da es sonst das (Silber) "anfrisst" dieser Effekt entsteht, wenn die Masse zu heiss wird und die Flächen des Silbers an den Kontaktstellen dank des lieben Bleis im Nello, neu liegiert und den Schmelzpunkt des Silbers extrem herabsetzt und Teile es Silbers gemeinsam mit dem Blei verdampfen.

Also stets dafür sorgen, das das Nello nur "grade so" flüssig ist. Nachdem Du etwas die Temp. gehalten hast und das Nello schön gleichmässig geschmolzen ist, kannst Du den Brenner aus machen, abkühlen lassen und nach einem sehr sehr kurzen aufendhalt (ich hab das Gefühlt, das man das nicht machen sollte, aber ich schreib es trotzdem, also im zweifelsfall bitte verbessern) in der Beize, beginnden das Überflüssige Nello abzufeilen. Vergiss bitte nicht, das Du die Feile danach nie wieder für was anderes verwenden solltest, da Du das Blei nicht vollständig wieder aus der Feile rausbekommen wirst. Also evtl. nicht grade wieder Deine lieblingsfeile verwenden.

Wenn alles gut geht, hast Du nach dem abfeilen dein gewünschte Muster in schwarz/grau aufgefüllter Optik. Solltest Du Löcher und Poren drin haben, kannst Du deinen Nellobrei wieder hervor holen und nochmal etwas nachstreuen und die gesamte Prozedur wiederholen. ist alles schön gleichmäßig, bist Du fertig und kannst den Rest der Oberfläche gestallten.

So, mehr gibt mein Gedächniss zu dem Thema nicht her - viel Erfolg!

lg
goOse
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Re: Niellieren

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Gepostet: 19.06.2008 - 12:02 Uhr  ·  #5
Dankeschön für Eure Antworten!
Ja meine Eltern meinten auch, dass sie früher, wenn sie krank waren, einen guten "Hieb durch die Nase" Salmiak genommen haben und der Schnupfen war weg...würde ich eher nicht tun...
Ich glaube ich versuche es besser mit Emaille... ist nicht ganz so giftig!!!
Edmund
 
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Re: Niellieren

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Gepostet: 19.06.2008 - 12:14 Uhr  ·  #6
Hallo birgit,
wenn Du Dich über das Emaillieren informieren willst, schau doch mal auf meine HP http://www.emailkunst.de
goOse
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Re: Niellieren

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Gepostet: 19.06.2008 - 13:07 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von birgit
Ich glaube ich versuche es besser mit Emaille... ist nicht ganz so giftig!!!


ach quatsch, als giftig würde ich Ammoniak (Salmiak) nicht grade wieder bezeichnen, aber wie gesagt, auf die Augen aufpassen. bei mir in der werkstatt, bekommt jeder fremde sofort tränen in die augen durch das zeug. denn wir schütten etwas davon ins ultraschall damit es besser reinigt villeicht 2cl auf 3L. und im warmen zustand geht es besser natürlich schneller in die luft über^^ da hilft auch kein offenes fenster. trotzsdem werden wir goldschmiede genau so alt wie alle anderen und hängen nicht den ganzen lieben tag beim arzt rum. also den Geruch mal nicht überbewerten.

edmund kann dir ja mal erläutern was alles beim Emaillieren so durch die atemwege geht
Edmund
 
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Re: Niellieren

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Gepostet: 19.06.2008 - 14:37 Uhr  ·  #8
Hallo birgit,
falls das Thema "Niello" für Dich noch nicht befriedigend abgeschlossen "google" doch mal unter "Niello" oder "Tula" oder schau gleich bei Wikipedia http://www.wikipedia.de/
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