Ich will mal ein paar Worte zum Fotografieren verlieren.
Ich bin da auch kein Experte hab mich aber in den letzten Jahren ein bißchen eingeübt. Zunächst sollte klar sein wozu die Fotos dienen sollen. Will man nur ein informatives Bild bspw. zur Katalogisierung der eigenen Sammlung, reicht sicher ein Handyfoto.
Für eine gute Präsentation des Steines, Abbildungen von Qualität und Schliff sowie von Einschlüssen (Farbe ist ein Sonderthema), benötigt man eine gewisse Ausrüstung. Das müssen keine Profiteile sein. Man braucht keine Vollformatkamera mit ultraschnellem Autofokus. Im Gegenteil kleinere Sensoren mit Crop-Faktor sind meist sogar besser geeignet. Autofokus nutze ich sowieso nicht, bei dieser Fotografie wird meist mit manueller Fokussierung gearbeitet. Ein gutes Makroobjektiv ist sehr hilfreich. Da gibt es auch gruselig teure Kandidaten, braucht man nicht, Mittelklasse funktioniert. Etwas mehr Megapixel sind schon hilfreich, man will ja evtl. Ausschnitte vergrößern. 10 Mp sind grenzwertig, 24 Mp sollten es schon sein.
Meine Ausrüstung sieht folgendermaßen aus:
Canon EOS 200 D, 24 Mp, das ist ein Einsteigermodell, gibt es gebraucht unter 300€
Makroobjektiv Canon Makro EFS 60 mm 1:2,8 USM, wird leider nicht mehr gebaut, gebraucht unter 400 €.
Ein Stativ und ein Fotozelt mit dimmbaren LED 5600 K und Diffusoren (Kunstseide zum Einhängen). Die LED leisten kann man in der Position sehr variabel positionieren was unbedingt notwendig ist.
Zusätzlich noch ein uralter Imac Computer zum Fernsteuern der Kamera und eventueller Benutzung von Helicon Focus und Helicon Remote.
Nun zu meiner Vorgehensweise. Ich habe in meinem Fotozelt eine schwarze bzw. Weiße Folie ausgerollt, darüber kommt auf 4 Holzstempel eine transparente Pexiplatte, nimmt man keine Abstandshalter fotografiert man auch die darunter liegende Struktur der Folie, das will ich nicht. Mit Stempeln liegt sie im Unschärfebereich. Man kann auch Glas statt Plexi nehmen, aber die entstehenden Kratzer bekommt man nicht mehr weg. Aus Plexi kann man sie ganz einfach heraus polieren.
Nachteil; polierter Kunststoff ist elektrisch aufgeladen und zieht jede Fluse in der Umgebung an.
Da sind wir gleich beim schwierigsten Thema; "Reinigen des Steins und der Unterlage". Reinigung mit Alkohol muß sein. Jetzt aber einfach trocknen lassen geht nicht. Bei Verdunstung des Sprits verbleiben immer irgendwelche Verunreinigungen als Flecken sichtbar, selbst destilliertes Wasser ist nicht sicher. Also erfolgt eine Nachpolitur mit einem Tuch. Es gibt keine fusselfreien Tücher, Papier, Mikrofaser, teuer oder billig, alle hinterlassen mehr oder weniger Flusen, elektrostatische Aufladung inkl.. Abpusten ist keine gute Idee, unser Atem hinterläßt kleine Spritzer (Aerosole) die dann zu Flecken werden. Hab alles probiert , Uhrmacherblasebalg, kleine Pinsel usw., alles Sch...
Ich versuche trotzdem alles so sauber wie möglich zu machen. Die letzten Flusen muß dann Fotoshop beseitigen. Nicht die großen Filter verwenden, es gibt da sehr feine Werkzeuge mit denen man sensibel arbeiten kann. Ich finde das völlig legitim so lange man nicht der Versuchung unterliegt Fehler des Steins, der Politur und des Schliffes zu kaschieren.
Wir wissen was heute alles möglich ist, man kann keinem Foto mehr trauen. Aber war das nicht auch schon früher so? Die Geschichte des "Verbesserns" von Bildern ist so alt wie die Fotografie. Wir sollten da einen gewissen Ehrenkodex entwickeln, es ist ja eigentlich auch sinnlos, wenn später der Kunde mit der 10fach Lupe plötzlich Dinge entdeckt.
Ich fotografiere immer mittels Computerfernsteuerung im manuellen Modus dh. ISO, Blende und Zeit werden selbst eingestellt.
Die Kamera läuft dabei im Live View Modus, dabei sehe ich genau wie sich Änderungen der Belichtungsparameter auf die spätere Aufnahme auswirken.
Canon hat dafür ein kostenfreies Program ich nutze aber Helicon Remote. Ich kann dann einen 5mm Winzling bildschirmfüllend darstellen und sogar noch in die kleinste Facette hineinzoomen. Dann entscheide ich, ob ich eine einzelne Aufnahme mache oder mehrere Schärfeebenen fotografiere und dann zusammenrechne. Bei Einzelaufnahmen bleiben bestimmte Bereiche des Steins unscharf, das kann natürlich auch seinen Reiz haben, will man aber bspw. auch tiefere Einschlüsse oder den Pavillon durch die Tafel scharf haben muß man stacken. Das ist sehr einfach, man legt den nahesten Bereich fest und stellt scharf, ebenso verfährt man mit dem weitesten Bereich. Dann kann man festlegen wieviel Aufnahmen die Kamera machen soll, das ist Erfahrungssache, hängt auch von der Größe des Objekts, der Entfernung zum Objektiv und der Blende ab. Meist reichen 3 Fotos. Hat die Kamera Ihre Aufnahmen gemacht werden sie im Stacking-Programm zusammengerechnet. Und es geht zum Feinschliff nach Photoshop dazu später mehr.